Update Governance
Im Oktober 2026 erhält Business Central mit der Release Wave 2 2026 die Hauptversion 29.0, Finance und Supply Chain Management bekommen das Service-Update 10.0.49. Gleichzeitig ändert Microsoft, wie es über kommende Funktionen informiert: Die Release Plans werden eingestellt, an ihre Stelle tritt eine laufend gepflegte Roadmap. Für Hersteller mit validiertem ERP bleibt der Takt der Updates gleich. Was sich ändert, ist die Grundlage, auf der sie jedes Update bewerten.
Update Governance bei AENUMA · Wann Revalidierung wirklich nötig ist
Am 25. August 2026 hat Microsoft angekündigt, die Roadmap-Inhalte für Dynamics 365, Power Platform und Dataverse ab September 2026 in die AI at Work Roadmap zu überführen. Das halbjährliche Modell aus Release Wave 1 und Release Wave 2 endet, neue Funktionen erscheinen fortlaufend, sobald sie zugesagt sind. Bis zum 15. November 2026 soll der Übergang abgeschlossen sein, dann wird auch der Release Planner abgeschaltet.
Wichtig ist der zweite Teil der Ankündigung. Microsoft schreibt ausdrücklich, dass sich damit nur die Kommunikation ändert, nicht die Art, wie Produkte gebaut, freigegeben und ausgerollt werden. Produkte mit festem Release-Rhythmus behalten ihn. Laut Microsoft Learn erhält Business Central weiterhin im April und im Oktober eine Hauptversion und in den übrigen Monaten Nebenversionen. Finance und Supply Chain Management bekommen weiterhin vier Service-Updates im Jahr, im Februar, April, Juli und Oktober.
Für die Update Governance heißt das: Die Termine bleiben planbar, aber die gewohnte Quelle für das Impact Assessment fällt weg. Ein Release Plan war ein Dokument je Welle, das man mit Datum ablegen konnte. Eine Roadmap, die sich laufend ändert, muss man selbst in einen prüfbaren Stand übersetzen.
| Anwendung | Update | Vorschau | Allgemein verfügbar | Ihr Spielraum |
|---|---|---|---|---|
| Business Central online | Hauptversion 29.0 | seit der ersten Septemberwoche; Vorschau-Sandboxes werden 30 Tage nach der allgemeinen Verfügbarkeit gelöscht | erste Oktoberwoche, für bestehende Umgebungen etwa eine Woche später | Updatetermin frei wählbar bis Anfang März 2027, danach ein Monat Nachfrist |
| Finance und Supply Chain Management | Service-Update 10.0.49 | seit 27. Juli 2026 | zum Selbst-Update seit 11. September 2026 | in Lifecycle Services automatisches Update ab 2. Oktober oder ab 1. November 2026, die Sandbox sieben Tage vorher, ein Update darf pausiert werden; einheitliche Umgebungen im Power Platform Admin Center folgen einem Stationsplan |
Nach der Nachfrist setzt Microsoft das Update bei Business Central durch und deinstalliert dabei notfalls Erweiterungen, die es verhindern. Deren Daten bleiben erhalten und lassen sich mit einer kompatiblen Version wiederherstellen. Bei Finance und Supply Chain Management wendet Microsoft das jeweils aktuelle Update automatisch an, sobald eine Umgebung mehr als eine Version zurückliegt.
Die Vorschau-Dokumentation zu Update 29.0 ist lang, viele Punkte betreffen Entwicklung, Länderfunktionen, E-Commerce oder Nachhaltigkeit. Für einen Medizinproduktehersteller sind nach unserer Einschätzung vor allem diese Punkte prüfrelevant:
| Änderung laut Vorschau | Warum sie zählt | Was wir prüfen |
|---|---|---|
| Beim Abschließen einer Qualitätsprüfung werden die Mengen für bestanden und nicht bestanden ausgefüllt. Aus der Fehlermeldung einer blockierten Buchung lässt sich die verantwortliche Prüfung direkt öffnen. | Das Quality Management aus Release Wave 1 steuert Chargensperren und die Sperre einzelner Belegarten. | Prüfablauf sowie Sperr- und Freigabelogik erneut testen, Arbeitsanweisung anpassen. |
| Felder aus Tabellenerweiterungen liegen künftig in derselben Datenbanktabelle wie die Basistabelle. | Betrifft jede Umgebung mit Erweiterungen, nach unserer Erfahrung also fast jede validierte Installation. | Erweiterungen, Berichte und Schnittstellen in der Sandbox gegen 29.0 testen, Datenabgleich nach dem Update. |
| Einheitlicher Copilot-Chat, erweiterte Agenten und eine einfachere Vergabe zusätzlicher Berechtigungen an Agenten. | Nach unserer Auslegung fällt ein Agent, der einen QMS-Prozess berührt, unter Abschnitt 4.1.6 der ISO 13485. | Einsatzgrenzen und Berechtigungen vor der Aktivierung festlegen und dokumentieren. |
| Der MCP-Server kann selbst definierte Datenabfragen ausführen. | KI-Anwendungen erhalten Zugriff auf Daten, für die es bisher keine Schnittstelle gab. | Wer darf welche Daten abfragen, und wie wird das nachgewiesen? |
| Änderungen an Finanzberichtsdefinitionen werden immer protokolliert, „In Excel öffnen“ erzeugt Telemetrie, Berichtslayouts bekommen einen Status. | Mehr Nachweismöglichkeiten im Standard, etwa für Datenexporte und freigegebene Belegvorlagen. | Telemetrie über Application Insights einrichten, Layoutstatus festlegen und die Protokollierung der Finanzberichte in die Kontrollstrategie aufnehmen. |
Die Angaben stammen aus Microsofts Vorschau-Dokumentation und können sich bis zur allgemeinen Verfügbarkeit ändern. Maßgeblich ist die Liste zum Zeitpunkt Ihres Impact Assessments.
Business Central schaltet das Änderungsprotokoll während des Upgrades auf die nächste Version ab, aus Performancegründen. Sobald das Upgrade abgeschlossen ist, protokolliert es wieder. Änderungen, die während des Upgrades an Daten entstehen, erscheinen deshalb nicht im Änderungsprotokoll.
Für einen Hersteller, der sein Änderungsprotokoll als Teil des Audit Trails ausweist, ist das kein Fehler, nach unserer Auslegung aber eine Lücke, die dokumentiert sein sollte. Wir empfehlen zwei Dinge: den Hinweis mit Quelle in die Update-Akte aufzunehmen und nach jeder Hauptversion einen Datenabgleich für die kritischen Bestände zu fahren, etwa gesperrte Chargen, offene Qualitätsprüfungen und Artikelverfolgungsposten. Die Werte vor und nach dem Update gehören nebeneinander in den Nachweis.
Das Impact Assessment braucht künftig mehrere Quellen, und jede davon ändert sich. Wer im Audit belegen will, auf welcher Grundlage über eine Freigabe entschieden wurde, muss den Stand der Quelle mit Datum sichern.
Wir empfehlen einen festen monatlichen Termin, an dem diese Quellen gesichtet werden und die Bewertung fortgeschrieben wird. Er ersetzt den Rhythmus, den früher die zwei Release Plans im Jahr vorgegeben haben.
Für Finance und Supply Chain Management gilt derselbe Ablauf im eigenen Takt. In Lifecycle Services kommt 10.0.49 automatisch ab dem 2. Oktober oder ab dem 1. November, je nach gewähltem Fenster. Einheitliche Umgebungen im Power Platform Admin Center folgen dem Stationsplan von Microsoft, die Sandbox erhält das Update dort in der Regel 10 bis 15 Tage vor der Produktion. Prüfrelevant ist außerdem, dass mit 10.0.49 die Funktionen Advanced Quality Management und Dispense Management verpflichtend werden. Sie lassen sich in der Funktionsverwaltung nicht mehr abschalten. Das nächste Service-Update 10.0.50 ist ab dem 22. Dezember 2026 zum Selbst-Update geplant.
Gibt es nach dem Ende der Release Plans keine Release Waves mehr?
Als Ankündigungsmodell nicht. Microsoft veröffentlicht neue Funktionen künftig fortlaufend auf der AI at Work Roadmap. Die Updates selbst folgen weiter ihrem Plan: Business Central erhält Hauptversionen im April und Oktober, Finance und Supply Chain Management erhalten vier Service-Updates im Jahr.
Müssen wir 29.0 komplett revalidieren?
In aller Regel nicht. ISO 13485 verlangt in Abschnitt 4.1.6 ein Vorgehen, das dem Risiko angemessen ist. Das Impact Assessment entscheidet, welche Prozesse und Daten berührt sind, und dort wird getestet. Nach unserer Auslegung brauchen nicht berührte Funktionen eine begründete Einstufung, keinen Test. Mehr dazu unter Wann Revalidierung wirklich nötig ist und GAMP 5 bei Dynamics 365.
Wie lange können wir das Update auf 29.0 aufschieben?
Innerhalb des Update-Zeitraums, also bis Anfang März 2027. Danach folgt ein Monat Nachfrist, in der Sie nicht mehr auf später verschieben können. Anschließend setzt Microsoft das Update durch. Wer bis dahin nicht getestet hat, testet unter Zeitdruck.
Was gehört in die Update-Akte?
Version und Termine je Umgebung, die gesicherten Quellen mit Datum, das Impact Assessment, die Testnachweise mit Abweichungen, der Datenabgleich nach dem Update und die Freigabe. Den Rahmen beschreiben wir unter Update Governance.
Wenn Ihr letztes Update ohne Impact Assessment durchgelaufen ist, fehlt für dieses Update der Nachweis, und 29.0 ist der naheliegende Zeitpunkt, den Prozess aufzusetzen. Der Einstieg ist ein Blick auf den Ist-Zustand: Welche Updates liefen seit der letzten Validierung, was ist dokumentiert, und welche Erweiterungen hängen an welcher Version?
Nächster Schritt: Validation Health Check oder Update Governance für Dynamics 365.
Weiterlesen: Business Central für Medizintechnik
Alle Fachbeiträge im Überblick
Microsoft Learn: Update 29.0 public preview for Business Central 2026 release wave 2
Microsoft Learn: Update cycles for Business Central online
Microsoft Learn: Audit changes in Business Central
Microsoft Learn: Quality management overview
Microsoft Learn: Service update availability for finance and operations apps
Microsoft Learn: One Version service updates FAQ
Microsoft Learn: Neuerungen in Supply Chain Management 10.0.49
Microsoft Learn: Service-Updates für einheitliche Umgebungen
Microsoft Dynamics 365 Blog, 25. August 2026: One always-on roadmap: Dynamics 365, Power Platform, and Dataverse join the AI at Work roadmap
ISO 13485:2016, Medical devices, Quality management systems, Requirements for regulatory purposes
Dieser Beitrag gibt den Produkt- und Rechtsstand vom 18. September 2026 wieder. Die Angaben zu Update 29.0 beruhen auf Microsofts Vorschau-Dokumentation und können sich bis zur allgemeinen Verfügbarkeit ändern. Er ersetzt keine Rechtsberatung und keine Prüfung des Einzelfalls.
AENUMA Redaktion · Stand: 18. September 2026 · Wie diese Beiträge entstehen