Quality Management
Qualitätsmanagement im ERP ist dann wertvoll, wenn eine Qualitätsentscheidung direkt den operativen Prozess steuert: Ware wird geprüft, gesperrt, freigegeben, in Quarantäne verschoben oder als nichtkonform behandelt. Genau hier haben sowohl Business Central als auch Supply Chain Management inzwischen relevante Standardfunktionen.
ERP für Medizintechnik bei AENUMA · BC oder F&SCM?
Microsoft hat Quality Management mit Business Central 2026 Release Wave 1 eingeführt. Es handelt sich um eine von Microsoft veröffentlichte Extension, die in neuen Umgebungen automatisch installiert wird und in bestehenden Umgebungen nachinstalliert werden kann.
Das Modul ist deshalb besonders relevant für Unternehmen, die Business Central bislang wegen fehlender integrierter Prüf- und Sperrprozesse ausgeschlossen haben.
Microsoft dokumentiert unter anderem folgende Funktionen:
Supply Chain Management verfügt über ein umfangreicheres Quality- und Nonconformance-Modell. Quality Associations können Prüfungen abhängig von Prozessereignissen automatisch auslösen. Quality Orders dokumentieren Tests und Ergebnisse.
Darüber hinaus unterstützt die Plattform unter anderem Sampling, Acceptable Quality Level (AQL), Inventory Blocking, Nonconformance-Typen, Korrekturmaßnahmen und die Zuordnung von Kosten zu Nonconformance-Prozessen.
| Funktion | Business Central 2026 | Supply Chain Management |
|---|---|---|
| Automatische Prüfungen | Ja, über Inspection Generation Rules | Ja, über Quality Associations |
| Prüfvorlagen / Tests | Ja | Ja, inklusive Testgruppen und AQL |
| Lot / Inventory Blocking | Ja | Ja, inklusive Sampling- und Full-Blocking-Logik |
| Quarantäne / Disposition | Ja, über Workflows und Bestandsaktionen | Ja, tief in Inventory und Nonconformance integriert |
| Nonconformance | Verarbeitung nichtkonformer Ware | Eigenständiges Nonconformance-Modell mit Typen, Ursachen, Korrekturen und Kosten |
| Sampling | Prüfvorlagen und Regeln | Umfangreiche Item-Sampling- und AQL-Logik |
Ein klassischer Anwendungsfall ist die Prüfung eines chargengeführten Rohmaterials beim Wareneingang.
Der Vorteil eines integrierten Prozesses ist nicht nur weniger Doppelpflege. Entscheidend ist, dass der Qualitätsstatus direkte operative Wirkung hat.
Qualitätsprüfungen können auch an Produktionsereignisse gekoppelt werden. Damit lassen sich beispielsweise Zwischen- oder Endprüfungen in den Material- und Fertigungsfluss integrieren.
Für regulierte Hersteller sollte dabei klar sein, welche Prüfung tatsächlich Freigabewirkung hat und wer Ergebnisse ändern oder genehmigen darf.
Eine wichtige Kontrollfunktion ist die Sperrung nicht freigegebener Chargen. Business Central kann Chargen über Quality-Workflows blockieren und nach erfolgreicher Prüfung wieder freigeben. Supply Chain Management kann Bestände automatisch über Quality Orders und Sampling-Logik blockieren.
Damit wird eine Qualitätsentscheidung nicht nur dokumentiert, sondern technisch im operativen Prozess durchgesetzt.
Ein integriertes ERP-QM ist nicht automatisch ein vollständiges elektronisches QMS. Prozesse wie Dokumentenlenkung, CAPA, Auditmanagement, Training, Management Review oder regulatorische Dossiers können weiterhin in spezialisierten Systemen liegen.
Die Architekturfrage lautet deshalb: Welche Qualitätsentscheidungen müssen unmittelbar Bestand, Fertigung oder Logistik steuern? Genau diese Prozesse sind starke Kandidaten für das ERP.
Supply Chain Management unterscheidet verschiedene Nonconformance-Typen, etwa Vendor, Production, Customer, Service Request oder Internal. Ursachen und Problemtypen können strukturiert klassifiziert werden. Korrekturmaßnahmen lassen sich zuordnen und Kosten können dokumentiert werden.
Für Unternehmen mit umfangreichen operativen Nonconformance-Prozessen kann diese Tiefe ein entscheidendes Auswahlkriterium sein.
Wenn eine Qualitätsprüfung über die Freigabe oder Sperrung von Material entscheidet, ist diese Funktion typischerweise deutlich relevanter als ein rein informatorischer Bericht. Der Validierungsumfang sollte deshalb dem Risiko folgen.
Zu bewerten sind unter anderem:
Mehr zur Dynamics-365-Validierung
Business Central ist 2026 für viele typische Prüf- und Sperrprozesse deutlich leistungsfähiger als noch zuvor. Wenn jedoch komplexes Sampling, AQL, tiefes Nonconformance Management, Advanced Warehouse und komplexe Fertigung zusammenkommen, bleibt Supply Chain Management funktional stärker.
Die richtige Entscheidung ergibt sich nicht aus einer Featureliste, sondern aus den End-to-End-Prozessen.
Hat Business Central seit 2026 Quality Management?
Ja. Microsoft hat ein eigenes Quality-Management-Modul in Business Central 2026 Release Wave 1 eingeführt.
Kann Business Central nichtkonforme Chargen sperren?
Ja. Quality Management kann Lot Blocking und Workflows nutzen, um nichtkonforme Ware zu sperren und nach erfolgreicher Prüfung wieder freizugeben.
Was bietet F&SCM zusätzlich?
Unter anderem tiefes Sampling, AQL, Quality Orders, umfangreiches Nonconformance Management und stärkere Integration in komplexe Produktions- und Warehouse-Prozesse.
Ersetzt Dynamics 365 ein QMS?
Nicht zwingend. ERP Quality Management sollte dort eingesetzt werden, wo Qualitätsentscheidungen unmittelbar operative Prozesse steuern. Andere QMS-Funktionen können außerhalb bleiben.
Vor der Plattformentscheidung sollten die kritischen Quality-Szenarien konkret beschrieben werden: Was löst eine Prüfung aus, was wird gesperrt, wer entscheidet und welche Folgeaktion ist erforderlich?
Nächster Schritt: Digitalisierungs-Standortbestimmung oder ERP für Medizinproduktehersteller.
Weiterlesen: Chargen- und Serienrückverfolgbarkeit
Weitere Beiträge zu Qualität und Dynamics 365
Microsoft Learn: Quality Management Overview in Business Central
Microsoft Learn: Quality Management Workflows in Business Central
Microsoft Learn: Quality and Nonconformance Management in Supply Chain Management
Microsoft Learn: Inventory Blocking
Stand: 17. August 2026.